Demenz und Akzeptanz – der Schlüssel zu mehr Lebensqualität für beide Seiten
In meiner Arbeit als Demenzbegleiterin begegne ich oft Angehörigen, die vor einer unglaublich schweren emotionalen Herausforderung stehen. Sie erleben, wie ein geliebter Mensch sich verändert, Erinnerungen verblassen und Vertrautes nach und nach verschwindet.
Einen Menschen mit Demenz zu begleiten, kostet unendlich viel Kraft. Und nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch der verzweifelte Versuch, gegen die schwindenden Fähigkeiten des geliebten Menschen anzukämpfen. Unbewusst werden Dinge eingefordert, die kognitiv gar nicht mehr möglich sind – und es schmerzt, wenn es nicht gelingt.
Hier kommen wir zu einem Thema, das nicht nur in meiner Coaching-Praxis eine zentrale Rolle spielt, sondern unser gesamtes Leben entscheidend prägt: Die Akzeptanz. Sie ist oft der Schlüssel zu einer ganz neuen Lebensqualität – und das gilt ganz besonders im Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind.
Akzeptanz wird oft missverstanden. Sie bedeutet nicht, eine Situation gutzuheißen, sie schönzureden oder kampflos aufzugeben. Akzeptanz bedeutet schlicht und ergreifend: anzuerkennen, was ist. Ohne es zu bewerten, ohne dagegen anzukämpfen.
Bei einer Demenzerkrankung bedeutet das, zu verinnerlichen, dass veränderte Verhaltensweisen kein böser Wille sind, sondern eine Krankheit. Es bedeutet, den inneren Widerstand loszulassen und stattdessen zu sagen: „Es ist jetzt so. Und wie gehe ich im nächsten Moment damit um?“
Erst wenn dieser Druck abfällt, den erkrankten Menschen ändern oder korrigieren zu wollen, entsteht Raum für etwas Neues. Man kann ihm dann genau dort begegnen, wo er gerade steht. Und plötzlich wird es trotz der schweren Umstände wieder möglich, echte Momente der Nähe und des Friedens zu finden.
Akzeptanz ist kein Schalter, den man einfach umlegt. Es ist unendlich wichtig, sich dafür Zeit zu nehmen und Mitgefühl zu haben – vor allem mit sich selbst.

